Friday, May 18, 2012
   
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Sensorische Stimulation

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Sensorische Stimulation

 Alle Wahrnchmungskanäle und Sinne des Säuglings sind auf das Aufsaugen von sensorischen Reizen aus der Außen- wie auch der Körperinnenwelt ausgerichtet. Der Säugling möchte mit allen Sinnesmodalitäten Reize von außen wahrnehmen; dies geschieht über die Haut als das größte sensorische Organ des Menschen, über Augen, Ohren, Mund, Nase und alle Wahrnehmungsreize, die von den Innenorganen kommen und teilweise in unser Bewusstsein dringen. Auch die Körperwahrnehmung, wie die motorische Bewegung und die Spannung von Sehnen und Muskeln, werden dem Gehirn mitgeteilt und führen zu einer umfassenden sensorischen Land­karte, die im Gehirn integriert werden muss.

 

Ohne Erfahrungen durch sensorische Stimulationen ist eine gesunde Entwicklung des Säuglings nur bedingt möglich. Besonders beim Deprivationssyndrom des Säuglings zeigt sich, wie sowohl die Deprivation auf den Wahrnehmungskanälen als auch die emotionale Depri­vation durch den Verlust oder den Mangel an Bindungs­erfahrungen zur Reduktion von Wachstumshormonen insgesamt sowie auch speziell von neuronalen Wachs­tumshormonen führt, so dass es langfristig zu einem Minderwuchs sowie zur Verringerung des Kopfumfangs wegen verringertem Gehirnwachstum kommt (Johnson und Internationales Adoptionsprojekt-Team |IAP| 2006).

 

 Vermeidung von negativen Stimuli

 Schon intrauterin sowie von Geburt an kann man beob­achten, wie der Säugling sich mit seinen motorischen Fähigkeiten (Kopf wegdrehen, Händchen vor das Ge­sicht führen, Mund verschließen, weinen) gegen negati­ve Stimuli zu wehren versucht, insbesondere wenn sie ihm Schmerz und Unwohlsein bereiten. So kann er sehr deutlich zwischen süßen und sauren Geschmacksstoffen unterscheiden - saure werden eindeutig abgelehnt und süße bevorzugt. Dieses motivationale System sichert ebenfalls das Überleben und gibt sowohl der Umwelt als auch dem Säugling eine Chance, angenehme Reize zu intensivieren und negative Stimuli zu vermeiden oder sich, soweit möglich, aktiv dagegen zu sträuben.

 

Selbstwirksamkeit

Ebenfalls sehr früh im Laufe des ersten Lebensjahres entwickelt der Säugling eine deutliche Motivation, Din­ge selbst zu tun und zu bewirken. So konnte in vielen Studien gezeigt werden, dass der Säugling Zusammen­hänge zwischen seinen Aktivitäten wie etwa Bewegung, und dadurch ausgelösten Antworten (Drehen des Mobi­le, Auslösen von Musik, Veränderungen von Lichtquel­len) deutlich registriert. Sobald er Zusammenhänge wahrgenommen hat, werden solche Aktivitäten von ihm gesteigert und mehrfach ausgeführt, um sich diesen Er­fahrungen von Selbstwirksamkeit jedes Mal mit einem deutlichen emotionalen Wohlbefinden und positivem Lustgewinn auszusetzen und sie zu einer befriedigenden Form der Selbstaktivität zu gestalten. Offensichtlich scheint diese Form der frühen Selbstwirksamkeit, die zeitlebens erhalten bleibt, ein ebenfalls tief verwurzeltes motivationales System zu sein, das vermutlich für die Steuerung der Selbstentwicklung sowie die Selbstwert­entwicklung von großer Bedeutung ist. Eine gesunde Selbstentwicklung beinhaltet, dass schon der Säugling und das Kleinkind das Gefühl erleben, selbst handelnd und Akteure ihrer Effekte und motorischen sowie affek-tiv-emotionalen Interaktionen zu sein. Diese Selbstwirk­samkeit bezieht sich demnach nicht nur auf motorische Aktivitäten, sondern ebenso auf affcktiv-emotionalen Austausch. Schon im Laufe des ersten Lebensjahres ist sich der Säugling bewusst - und wiederholt dies gezielt und sozial orientiert -, dass er z.B. eine andere Person mit der deutlichen Erwartung anlächelt, dass diese ihn ebenfalls anlächelt und sich positiv affektiv-emotional mit ihm austauscht, indem sie die innere Welt der Affek­te des Säuglings empathisch wahrnimmt und in die Be­ziehung zum ihm einbringt. Werden diese selbstwirksa­men Effekte und Erwartungen nicht erfüllt, weil etwa eine Mutter dem Säugling eine Zeit lang ein mimisch starres Gesicht ohne affektiven Ausdruck zeigt, so zeigen schon kleine Säuglinge in den ersten Monaten deutliche Frustration, Enttäuschung, Wut bis hin zur Depression, wenn es ihnen durch verstärkte Aktivitäten gegenüber der anderen Person nicht gelingt, diese in eine selbst­wirksame Interaktion zurückzubringen.

Auszug aus dem Werk: Pädiatrische HNO-Heilkunde mit freundlicher Genehmigung des Elsevier Verlags

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