Erfahrungsbericht - Ein Leben ohne Zucker
Ein Leben ohne Zucker
ein Erfahrungsbericht wie alles begann, warum man eine solche Entscheidung trifft, wie man die ersten Tage überlebt ohne einen Mord zu begehen und welche Auswirkungen ein Verzicht von Zucker auf das täglich Leben hat. Alternativen wie Stevia werden ebenfalls kurz vorgestellt und ob man sich hiermit über Wasser halten kann.
Warum sollte man ein Leben ohne Zucker anstreben?
Nun, hierfür gibt es verschiedene Gründe. Der wichtigste ist wohl, dass Zucker sehr viele schädliche Nebenwirkungen (Hauptverantwortlich für Übergewicht, Karies und viele andere Krankheiten) hat. Um ehrlich zu sein war das aber nicht der Hauptgrund. Ich hatte ca. 10 kg zuviel auf den Hüften (93kg bei 188cm Größe). Ich habe zwar einiges versucht um mein Normalgewicht von 83kg wieder zu erreichen. Ein Verzicht auf Eis, Kuchen, Kekse, Schokolade,... wäre aber unvorstellbar gewesen, wenn mich eines Tages nicht ein kleiner Schicksalschlag getroffen hätte. Ich hatte auf der rechten Körperhälfte ein starkes Verbrennungsgefühl, wie wenn man es empfindet, wenn die Haut mit heißem Wasser in Berührung kommt. Nach 2 Wochen hatte ich ein paar Untersuchungen im Krankenhaus (auch eine Lumbalpunkt - die ist wirklich schmerzhaft). Nach den ersten Tests war es relativ klar, dass ich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit Multiple sclerosis (MS) habe. Neben der Tatsache, dass mich dieser Befund nicht gerade mit Freude erfüllte, fiel mir aber auch auf, dass ich zum erstenmal schmerzfrei war (an diesem Tag war ich nüchtern). Daheim angekommen aß ich wieder Schokolade und hatte danach wieder das Verbrennungsgefühl. Am nächsten Tag verzichtete ich wieder auf zuckerhaltige Produkte und der Schmerz war weg. Dies war der Anfang meines Entschlusses auf Zucker zu verzichten.
Die ersten Tage
Die ersten Wochen waren die Hölle. So stelle ich es mir vor, wenn ein Alkoholiker auf Entzug ist oder ein Raucher sich das Rauchen abgewöhnt. Es war mir sofort klar, dass ich einen Ersatzstoff brauche, damit nicht irgendeinem Kind den Lutscher auf der Straße klaue. Vielleicht eine kleine Übersicht was man dann nicht mehr essen oder trinken darf. Keine Cola, Fanta, Limonaden, Eis, Gummibärchen, Kuchen, Kekse, Schokolade, Nutella, Marmelade, usw.. Anders ausgedrückt, das soziale Leben bewegt sich auf einen Abgrund zu. Es gibt wahrscheinlich nicht viel depremiererendes als auf Zucker zu verzichten.
Stevia
In meiner Verzweiflung habe ich mir dann Stevia (Honigkraut organisiert). Irgendwo habe ich gelesen, dass das Zeug 300-400 mal süßer als Zucker ist. Für alle die es interessiert. Im Endeffekt habe ich mich für ein Produkt mit einem Reinheitsgrad von 98% Rebaudiosid A entschieden. In Europa wird es nicht als Lebensmittel, sondern als Badezusatz vertrieben. Auf der restlichen Welt wird Stevia aber schon seit Ewigkeiten konsumiert. Meine ersten Versuche Pudding zu kochen scheiterten kläglich. Stevia ist unglaublich süß, aber wenn man es erhitzt, dann verliert es an Süße. 15 Liter Pudding später habe ich die richtige Mischung gefunden. Man braucht eine gefäufte Messerspitze für einen 700ml Milch und eine Puddingpackung. Der Pudding schmeck genau so wie der mit Zucker, allerdings hat man weniger Kalorien. Mittlerweile esse ich ca. einen halben Liter Pudding pro Tag um meinen Gusto nach Süßem zu befriedigen.
Was war mit der MS Diagnose?
Nun, ich mußte ich den nächsten Wochen auf die finalen Ergebnise warten (Lumbalpunktion) Da ich aber alle Symptome eines MS Patienten zeigte war es für mich relativ klar, dass ich MS habe. Sicherheitshalber wurde 2-3 Wochen nach meinem Zuckerentzug ein MR gemacht, um die Diagnose zu bestätigen. Allerdings konnte man keine MS Herde finden. Auch die Lumbalpunktion brachte keine Hinweise auf MS. Was ich im Endeffekt hatte ist bis heute unklar.
Hat sich der Entzug gelohnt?
Klar ist nur, dass ich jetzt keinen Zucker mehr esse, dadurch 10kg abgenommen habe, leistungsfähiger bin und fast jede Nacht davon träume, dass ich wieder Schokolade esse. Es hat sich gelohnt, aber die Umstellung ist noch nicht vorbei. Mittlerweile bin ich schon 4 Monate zuckerfrei. Am schlimmsten sind die Träume in der Nacht, wenn ich mich darüber ärgere, dass ich wieder mit Zucker beginne. Körperlich geht es mir super. Schmerzen habe ich keine mehr. Gewichtsprobleme aucht nicht. Die Müdigkeit und die Konzentrationsstörungen sind auch weg. Daran gewöhnt habe ich mich trotzdem nicht. Es wird wohl noch ein wenig dauern.
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